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Kundalini Yoga: Interview mit Yogalehrerin Laya Kirsten Commenda

Kundalini Yoga ist ein wunderbarer Weg, um sich weiterzuentwickeln. Lies das Interview mit Yogalehrerin Laya Kirsten Commenda und erfahre, wie es ihr Leben bereichert hat und wie auch du davon profitieren kannst!

Laya, du unterrichtest seit mehr als sechs Jahren Hatha Yoga und hast dich nun für eine Kundalini Yoga-Ausbildung entschlossen. Was hat dich dazu bewogen?

Laya: Meine erste Erfahrung mit Kundalini Yoga machte ich während meiner ersten Yogalehrer-Ausbildung. Damals war ich sicher, dass Kundalini Yoga nichts für mich ist. ☺

Vor einiger Zeit hat dann aber eine Kundalini Yoga-Lehrerin in unserem Studio zu unterrichten begonnen. Sie wirkte auf mich sehr authentisch, daher habe ich ein paar Mal aus Neugier mitgemacht, und war dann ganz erstaunt, welche Entwicklungsprozesse dadurch bei mir ausgelöst wurden.

Also bin ich tiefer eingestiegen, habe regelmäßiger praktiziert, und schließlich war klar, dass sich hier ein faszinierender neuer Weg für mich auftut. Im Kundalini Yoga verbinden sich auf eine sehr harmonische Weise einige Yoga-Aspekte, die ich immer schon geliebt habe: Mudras, Mantras, Meditation und Arbeit mit den Chakren.

Wie ist eine Kundalini Yogastunde aufgebaut? Welche Rolle spielt dabei das Chanten von Mantren?

Kundalini Yogastunden haben eine sehr klare Struktur, bei der das Singen von Mantren eine wesentliche Rolle spielt. Zur Einstimmung wird das Adi Mantra gechantet: „Ong Namo Guru Dev Namo“, übersetzt in etwa: „Ich verbinde mich mit der kosmischen Energie und dem erhabenen Weg, der mich vom Dunkel zum Licht führt.“

Wichtiger als die wörtliche Bedeutung sind jedoch die Schwingungen, die das Mantra in uns auslöst. Es ist ein bisschen wie den Stecker in die Steckdose zu stecken und sich mit dem eigenen Spirit und mit dem inneren Lehrer zu verbinden – aber auch mit allen Lehrern und Yogis, die lange vor uns praktiziert haben. In den meisten Kundalini Yogastunden wird das Adi Mantra noch durch ein Schutzmantra ergänzt.

Danach kommen die Körper- und Atemübungen. Tiefenentspannung und Meditation sind fixe Bestandteile der Praxis, und am Ende der Stunde wird meist das Segenslied „May the long time sun shine upon you“ gesungen, das viele in der Version von Snatam Kaur kennen. Zum Abschluss chanted man dreimal das Mantra „Sat Nam“. Es bedeutet so viel wie „wahre Identität“ und verbindet uns mit dem, was wir wirklich sind, jenseits aller Gedanken, Gefühle und Ego-Spielchen.

Welche Veränderungen hast du an dir bemerkt, seitdem du intensiver Kundalini Yoga übst?

Ich bin körperlich stärker geworden, vor allem aber auch mental. Zahlreiche alte emotionale Muster, Verstrickungen und überholte Glaubenssätze haben sich innerhalb kürzester Zeit aufgelöst. Mir kommt es vor, als wäre in mir ein Entwicklungsturbo eingeschaltet worden – dabei war ich auch bisher schon auf einem ziemlich intensiven Weg.

Das Erstaunlichste war aber für mich, dass plötzlich eine Verbesserung meiner Schilddrüsenwerte feststellbar war. Ich leide seit 27 Jahren unter Hashimoto, einer Autoimmunerkrankung, die das Schilddrüsengewebe zerstört, und habe schon vieles ausprobiert, um eine Verbesserung herbeizuführen. Mit Kundalini Yoga scheine ich hier auf eine heiße Spur gestoßen zu sein. Allerdings spielen vermutlich auch andere Faktoren eine Rolle, beispielsweise dass ich mich seit gut zwei Jahren glutenfrei ernähre.

Welche Auswirkungen hat Kundalini Yoga auf die Chakren und was genau ist Kundalinierweckung?

Die Kundalini-Energie ist eine Art Energiereservoir am unteren Ende der Wirbelsäule, das in den alten Schriften als eingerollte Schlange dargestellt wird. Wenn diese erweckt wird, rollt sie sich auf und steigt aus der Tiefe des Wurzelchakras zum Kronenchakra auf und strömt von dort in die Aura, die im Kundalini Yoga als achtes Chakra bezeichnet wird.

Die Aktivierung der Kundalini-Energie ist ein komplexer energetischer Vorgang. Dazu müssen zwei unterschiedliche Energieformen aufeinandertreffen: Prana, die dynamische, bewegliche und aufsteigende Lebensenergie, und Apana, die abwärtsstrebende Ausscheidungsenergie. Im Nabelchakra kommen Prana und Apana zusammen und erzeugen dadurch Druck, der den Energiefluss an der Wurzel der Wirbelsäule in Gang setzt.

Wird die Kundalini geweckt, so kommt die zunächst nur passiv vorhandene Energie in einen aktiven Zustand und energetisiert über die Chakren und Nadis (Energiekanäle) jede Körperzelle. Die Erfahrung dieser Aktivierung wird als Vereinigung mit dem Göttlichen oder als Erleuchtung beschrieben – je nach kulturellem Hintergrund.

Wie kann jemand wissen, ob er eine wirkliche Kundalini-Erweckung hatte oder nur sein Wunschdenken ähnliche Symptome ausgelöst hat?

Die Gefahr, dass unser Ego uns Streiche spielt, ist hier tatsächlich groß – spiritueller Stolz ist meiner Erfahrung nach einer der häufigsten Fallstricke auf dem spirituellen Weg. Ich erinnere mich noch gut an ein Retreat bei Nathalie Delay, einer Tantra-Meisterin, die als erwacht gilt. Ein Teilnehmer berichtete ihr von seinen angeblichen Kundalini-Erfahrungen. Nathalie sah in streng und gleichzeitig liebevoll an, und sagte: „Sei wie der Baum, der in der Erde wurzelt und zum Himmel wächst. Die Säfte steigen in ihm auf, ohne dass er von Kundalini fantasiert. Er weiß nicht einmal, dass er ein Baum ist. Er ist einfach.“

Die Psychologin und Zen-Meisterin Anna Gamma beschreibt in ihrem Buch „Schön, wild und weise“ das Erwachen ihrer Kundalini-Energie so: „…Energieschübe im Körper, die mich kaum noch schlafen ließen. Meine Körperzellen schienen auseinanderzudriften wie die Galaxien im sich ausdehnenden Universum. Ein kosmischer Tanz innen wie außen.“

Doris Echlin, eine bekannte Schweizer Yogalehrerin, hat einmal erzählt, dass sie während einer Kundalini-Erfahrung alle Nadis im Energiekörper der Menschen sehen konnte. Sie selbst war absolut glückselig, während Freunde und Familie sie für hochgradig psychotisch hielten. Das wird übrigens des Öfteren berichtet: Nach außen wirkt die Kundalini-Erweckung wie ein psychotischer Schub.

Ich kann diesbezüglich leider nicht von eigenen Erfahrungen berichten ☺. Aber ich könnte mir vorstellen, dass eine echte Kundalini-Erweckung eine derart intensive Erfahrung ist, dass es keinen Zweifel mehr gibt. Und alles andere ist wohl wirklich Wunschdenken.

Die Übungsreihen im Kundalini Yoga werden „Kriyas“ genannt. Was sind die Vorteile von Kriyas?

Den Vorteil sehe ich in ihrer Klarheit und tiefgreifenden Wirkung, vor allem dann, wenn man die gleiche Kriya regelmäßig über einen längeren Zeitraum übt. Die Übungsreihen haben nicht das Ziel, einzelne Chakras isoliert zu aktivieren – das würde nur ein weiteres Ungleichgewicht nach sich ziehen – sondern arbeiten am ganzen Energie-, Nerven- und Drüsensystem. Reihenfolge und Dauer der einzelnen Übungen einer Kriya dürfen nicht verändert werden. Das war für mich zunächst gewöhnungsbedürftig, denn aus dem Hatha Yoga war ich es gewohnt, die Haltungen intuitiv aneinanderzureihen und dabei meinen Körperimpulsen und meinem Atem zu folgen.

Ich habe aber schnell erkannt, dass die Übungen im Kundalini Yoga so genial aufeinander aufgebaut und abgestimmt sind, dass es wirklich Sinn macht, sie exakt so auszuführen, wie sie gelehrt werden.

Kann jeder Kundalini Yoga üben oder braucht es dafür eine spezielle Vorbereitung (wie Sat Nam Rasayan – der Praxis, einfach nur da zu sein)?

Jeder kann mit Kundalini Yoga beginnen, Vorerfahrungen sind nicht notwendig. Oft wird es am Anfang jedoch sinnvoll sein, die Übungen ein wenig zu verkürzen oder einfachere Varianten zu praktizieren.

Kannst du eine deiner Lieblingsübungen aus dem Kundalini Yoga mit uns teilen?

Ich liebe zum Beispiel das Rumpfdrehen, weil es eine so schlichte und gleichzeitig anmutige Bewegung ist. Dabei legt man die Hände auf die Schultern, die Ellbogen befinden sich auf Schulterhöhe. In der Einatmung dreht man Oberkörper und Kopf nach links, in der Ausatmung nach rechts. Mit der Zeit kann man die Übung immer schneller und in Verbindung mit einer dynamischen Atmung ausführen. Je nach Kriya kommt man nach ein paar Minuten in der Mitte zur Ruhe, atmet tief ein, hält den Atem und zieht die Wurzelschleuse. Dieser Moment, in dem sich die Energie der vorangegangenen Bewegungs- und Atemdynamik in tiefe Stille auflöst, fasziniert mich besonders.

Danke für das inspirierende Interview!

Laya Kirsten Commenda, YogalehrerinLaya Kirsten Commenda unterrichtet seit über sechs Jahre Hatha Yoga und motiviert auf ihrem Blog layacommenda.com Menschen dazu, mutig, wild und frei zu sein. Das ist das, was sie auf inspirierende Weise lebt: Die gelernte Physikerin und Mathematikerin unterrichtete viele Jahre im Gymnasium und arbeitete später als Wirtschaftsjournalistin, bevor sie dem Ruf ihrer Seele folgte und sich mehr mit Yoga, Tanz und Spiritualität beschäftigte. „Yoga und Tanz sind jedoch junge Romanzen im Vergleich zum Schreiben. Mit ihm verbindet mich die längste Liebesbeziehung meines Lebens“, so Laya. Heute vereint sie all ihre Leidenschaften und gibt (therapeutische) Schreibseminare, unterrichtet Yoga in ihrer Yogalounge im Herzen von Linz und gibt die tiefen sowie transformierenden Erfahrungen weiter, die sie gemacht hat.

Ein Kommentar

Antworten
  1. Ein sehr interessantes Interview!
    Ich betreibe nun auch schon einige Zeit Yoga als Ausgleich zur Arbeit. Muss beruflich viel mit Umlagerungshilfen arbeiten und das Verlegen von Patienten ist durchaus kraftaufwendig. Da ist Yoga ein gutes Rundum-Training. Kann ich nur jedem empfehlen.

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