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Sanfte Heilung? Homöopathie bei Tieren

Wenn Tiere erkranken, leiden ihre Halter meist intensiv mit. Dadurch steigt das Interesse an sanften Behandlungsmöglichkeiten als Alternative zur Antibiotikakeule. Homöopathie bei Tieren ist eine dieser alternativen Heilmethoden – und Anhänger schwören auf ihre Wirkung. Selbst Tierärzte spezialisieren sich neben ihrem Standardrepertoire zunehmend auf diese Disziplin. Wir verraten, wie die liebsten Vierbeiner durch Homöpathie schonend behandelt werden können.

Wenn Tiere sprechen könnnten…

…dann wäre die Behandlung von Krankheiten, Ängsten, Allergien und so weiter natürlich viel einfacher. Auch wenn du dein Tier noch so gut kennst – die Sprache fehlt deinem liebsten Geschöpf. Daher bist du das Sprachrohr deines Haustieres und kannst, wenn es leidet, die besten Angaben machen bzw. erspüren welche Ursachen eine Krankheit haben könnte. Diese Empathie ist gerade bei alternativen Heilmethoden eine wichtige Grundvoraussetzung.

Gib dir und deinem besten Partner trotzdem genug Zeit, um Heilung zu ermöglichen. Ein Hund der sich kratzt, hat nicht automatisch ein Ekzem. Und ein schwerfälliges Pferd ist vielleicht einfach nur müde und nicht depressiv verstimmt. Im Rahmen einer Behandlung kann es sein, dass eine endgültige Diagnose – unabhängig ob Schulmedizin oder Homöopathie – erst nach mehrmaligen Behandlungsversuchen möglich ist.

Du bist die wichtigste Bezugsperson deines Tieres und kannst seine Heilung erwiesenermaßen dadurch unterstützen, dass du neben allen Behandlungsversuchen positiv und entspannt bleibst. Deine Haustiere sind sensible Lebewesen, die spüren, wie es dir geht.Hundewelpe

Wurzeln der tierischen Homöopathie

Auch wenn es Unterschiede gibt, so hat die Homöopathie für Tiere doch die gleichen Wurzeln, wie jene für Menschen. Der Begründer dieser alternativmedizinischen Behandlungsmethode ist der deutsche Arzt Samuel Hahnemann, wie die renommierte Tierhomöopathin Tina von der Brüggen im Interview erklärt.

„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“

 Hahnemann prägte im 18. Jahrhundert das Ähnlichkeitsprinzip „similia similibus curentur“ („Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“) und legte so den Grundstein für die homöopathische Lehre. Auf den Bereich der Tiere übertragen, würde dies bedeuten, dass ein hyperaktiver Hund durch Kaffee (welchem eigentlich eine stimulierende Wirkung nachgesagt wird) beruhigt werden kann. Im besten Falle wird ein homöopathisches Mittel verdünnt bzw. „potenziert“, sodass es eine optimale Wirkungskraft entfalten kann.

Aufbauend auf der Idee, dass jene Mittel Krankheiten lindern bzw. heilen können, die bei Gesunden die entsprechenden Symptome hervorrufen würden, führte Hahnemann Selbstversuche durch, deren Ergebnisse er 1796 in einem Postulat veröffentlichte.

Darin definierte er auch zwei wesentliche Komponenten der Homöopathie:

  • die Anamnese (durch Beobachtung und Befragung)
  • und die Kenntnis der Wirkung der (homöopathischen) Mittel.

Das Fundament der Homöopathie ist somit der Gedanke, dass kleine Dosen zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers ausreichen.

Die homöopathischen Mittel werden in der Herstellung stark verdünnt und z.B. mit Milchzucker verrieben (=Globuli) oder flüssig mit Ethanol und Wasser vermischt (=Dilution). Gleichzeitig findet eine stufenweise Potenzierung bzw. Dynamisierung durch Verschütteln statt. Das Ergebnis sind die in Hunderterschritten potenzierten „C-Potenzen“, oder die ebenfalls geläufigen „D-Potenzen“ (Mischverhältnis 1:10). Hierbei wird davon ausgegangen, dass eine Information im Lösungsmittel „gespeichert“ und mit jedem Schritt in der Potenzierung verstärkt wird.

Tierhomöopathie wurde von Hahnemann selbst als genauso wirksam erachtet und von einem Apotheker namens Christoph Heinrich Donauer im Jahr 1815 erstmals schriftlich aufgearbeitet. Unser heutiges Verständnis der Homöopathie für Vierbeiner prägte der Tierarzt Dr. Hans Wolter nach dem 2. Weltkrieg. Die von ihm konzipierten Tierarzneimittel sind nach wie vor erhältlich – genauso wie seine Publikationen.

Den Stellenwert der Homöopathie für Tiere weiter erhöht hat die EU-Kommission in ihrer Bio-Verordnung von 2008, wo sie Bio-Landwirten explizit zum Einsatz der alternativen Behandlungsmethode rät:

Phytotherapeutische und homöopathische Präparate, Spurenelemente […] sind gegenüber chemisch-synthetischen allopathischen Tierarzneimitteln oder Antibiotika bevorzugt zu verwenden, sofern ihre therapeutische Wirkung bei der betreffenden Tierart und der zu behandelnden Krankheit gewährleistet ist.

Selbstheilung? Ein (tierisches) Beispiel

Homöopathie = ein Stimulus zur Selbstheilung
Die homöopathischen Gaben regen die Selbstheilungsprozesse im Körper an.

Denke daran, wie du eine Zwiebel schneidest. Na, was fällt dir sofort ein? Richtig: tränende Augen.

Zwiebel

Wenn dein Vierbeiner nun Hundeschnupfen oder allergische Symptome einhergehend mit Tränenfluss hat, wird der Wirkstoff der Zwiebel in verdünnter Form in der Tierhomöopathie eingesetzt. Ganz gemäß dem von Hahnemann postulierten Ähnlichkeitsprinzip.

So kommt es, dass in der Homöopathie auch Substanzen verwendet werden, die unverdünnt ungenießbar oder sogar enorm giftig sind. Eines der beliebtesten homöopathischen Mittel ist Arsenicum album. Dabei handelt es sich um eine Arsensäure, die eigentlich als Rattengift bekannt ist. Brechdurchfall, stechende Schmerzen oder Angstzustände wären die Folge einer Einnahme. Als Arzneimittel hingegen aktiviert es die Selbstheilungskräfte für genau diese Symptome.

Anwendungen in der Tierhomöopathie

Da es wenige speziell für Tiere entwickelte Mittel gibt, ist die Anwendung im Vergleich zum Menschen meist ähnlich. Auch wenn eine Behandlung in Eigenregie eine Möglichkeit ist, so ist doch die Zusammenarbeit mit einem ausgebildeten Tierarzt die bessere Option.

Die folgende Übersicht zeigt typische Symptome und dazu passende Mittel (für Hund, Katze und Pferd gleichermaßen geeignet):

  • Immunsystem: Silicea und Ipecacuanha stärken Tier und Mensch gleichermaßen
  • Verletzungen: Arnica (lindert Schmerzen und unterstützt die Wundheilung) und Ledum (speziell bei Stichverletzungen)
  • Ekzeme und Hautprobleme: Rhus toxicodendron (gehört zu den wichtigsten Mitteln in der Homöopathie) oder Graphites beruhigen die Haut
  • Magen-Darm (z.B. Durchfall): Arsenicum album (Mittel gegen Ruhelosigkeit – auch im Darm) und Rheum (speziell bei Koliken und krampfartigen Bauchschmerzen)
  • Vergiftungen: Carduus marianus (die Mariendistel wirkt zum Beispiel bei Fütterungsfehlern) oder Flor de Piedra (Leberbeschwerden)
  • Angst: Gewitter, negative Vorerfahrungen, etc. können Tieren angst machen. Belladonna ist das beliebteste Mittel zur Vorbeugung und Behandlung

Tipp: Lass dir vom Tierarzt deines Vertrauens eine homöopathische Haus- oder Stallapotheke mit entsprechenden Instruktionen zusammenstellen. Das erleichtert die Behandlung bei spontan auftretenden Symptomen ungemein.

Dosierung der Mittel

Die Dosierung der Mittel hängt neben den Symptomen unter anderem von der Größe des Tieres ab. Da die Tierarten unterschiedliche Reizschwellen für die Gabe der homöopathischen Mittel haben, reagieren sie dem entsprechend unterschiedlich. Bei einer falschen Dosierung kann es eventuell sogar zu einer Verschlimmerung kommen.

Da wir vorhin beispielhaft Mittel zur Selbstbehandlung angeführt haben hier noch einmal der Hinweis: Eine Diagnose sollte unbedingt durch einen ausgebildeten Tierarzt erfolgen – der idealerweise eine homöopathische Zusatzausbildung hat.

Ideal aus Sicht der Tierärzte ist meist eine Kombination aus schulmedizinischer und homöopathischer Behandlung. Um die Anamnese optimal umsetzen zu können benötigen sie ausführliche Informationen zur Krankheits-Vorgeschichte des Tieres, sowie zu dessen Verhalten und Eigenschaften. Als Tierhalter bist du an dieser Stelle mit deiner Einschätzung gefordert, um den Tierarzt sinnvoll zu unterstützen.

Wo hat die Homöopathie ihre Grenzen?

Dort, wo das Leiden fortgeschritten und die Lebenskraft vermindert ist, hat laut Anhängern auch die Homöopathie ihre Grenzen. Leiden können in diesem Stadium lediglich auf sanfte Weise gelindert werden.

Gerade bei ernsthaften Erkrankungen sollte auch bei Tieren immer maßgeblich eine schulmedizinische Meinung eingeholt werden.

Kritik an der Homöopathie

Alternative Heilmethoden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich angezweifelt wird, stehen natürlich auch in der Kritik. So verhält es sich in der Homöopathie genauso – die Anwender schwören auf die Wirkung, Gegner gibt es aber ebenfalls in ausreichender Zahl.

Von Anwendern der Tierhomöopathie wird häufig das Argument ins Feld geführt, dass Tiere sich die Wirkung der homöopathischen Mittel nicht einbilden können. Wissenschaftler führen allerdings ins Feld, dass es sich hier um einen „Placebo by Proxy“ Effekt handeln könnte. Dieser „Stellvertreter-Effekt“ besagt, dass die Halter der Tiere durch die Gabe der Mittel selbst beruhigter an die Situation herangehen und sich diese Stimmung auf das Tier überträgt.

Wir überlassen es DIR über Sinn und Unsinn zu entscheiden. Mach deine eigenen Erfahrungen und bilde dir eine Meinung. Geschadet hat Homöopathie ja tatsächlich ebenfalls noch niemandem.

Ein Kommentar

Antworten
  1. Hi,
    herzlichen Glückwunsch zu diesem Artikel. Vor allem das Titelbild ist ein Hit 😉
    Ich habe mit Homöopathie sehr gute Erfahrungen gemacht. Die ständigen Diskussionen, ob sie hilft oder nicht ermüden mich schon langsam. Ich kann in meinem Bekanntenkreis mehrere dutzend Fälle aufzählen, in denen die Homöopathie nachweislich Heilung bewirkt hat.
    Und vor allem Tiere und kleine Kinder sprechen sehr gut darauf an.
    Liebe Grüße,
    Christian von lebereich.com

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