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Rohkost-Ernährung: Wie gesund ist der Trend?

Vegetarische und vegane Ernährung sind salonfähig geworden. Der Stereotyp vom Jutehosen tragenden Öko ist dank Attila Hildmann & Co. ein wenig verblasst. Im Windschatten veränderter Ernährungsgewohnheiten erlebt auch das Thema Rohkost Ernährung einen neuen Durchbruch. Wer seine Ernährung auf Ungekochtes konzentriert, fühlt sich nicht nur besser. Körperliche Beschwerden wie etwa Hautprobleme verschwinden, Krebserkrankungen wird vorgebeugt und andere Zivilisationskrankheiten treten gar nicht erst auf. Angeblich. Denn die Wirkung von Rohkost ist nicht gänzlich unumstritten.

Was ist Rohkost?

RohkostGleichmal vorneweg: Rohkost ist nicht gleichzustellen mit vegetarischer oder veganer Ernährung, kann aber miteinander kombiniert werden. Wer sich zu 100% von Rohkost ernährt, verzichtet gänzlich auf hitzebehandelte Nahrung. Tierische Lebensmittel wie etwa roher Fisch oder Beef Tatar können aber durchaus auf dem Speiseplan stehen. Auch Rohmilchprodukte sind grundsätzlich erlaubt. Gegessen werden vorwiegend Obst und Gemüse, aber auch Nüsse, Samen oder Pilze.

Anähnger der Rohkost gehen davon aus, dass durch die Erhitzung von Nahrungsmitteln einerseits temperaturempfindliche Inhaltsstoffe (z.B. Vitamine) zerstört werden und andererseits schädliche Stoffe (z.B. Acrylamid) entstehen. Gerade die übermäßige Erhitzung von Fetten führt bekanntlich zur Bildung gesundheitsschädlicher Stoffe. Weiters werden durch Rohkost schadhafte „Maillard-Produkte“ vermieden. Diese entstehen beim Braten und Rösten und sorgen z.B. bei Fleisch für die (bei anderen Ernährungsformen oftmals gewünschte) Bräunung bzw. das charakteristische Aroma von Steak, Kaffee und anderen Nahrungsmitteln.

Bekannte Varianten von Rohkost-Ernährung

DIE Rohkost-Ernährung gibt es nicht. Es gibt Rohköstler, die sich rein pflanzlich und damit vegan ernähren. Es gibt jene, die den Früchteverkehr stärker betonen. Und es gibt jene, die der Meinung sind, Nahrung darf vor Verzehr nicht zerkleinert oder gewürzt werden:

  • Urkost: Früchterohkost und Verzehr von Wildkräutern und Wildgemüse
  • Primal Diet: Fleischverzehr ist erlaubt, Kohlenhydrate werden kaum gegessen
  • Fit for Life: Fast ausschließlich vegan – getrunken wird allerdings nur Wasser und frisch gepresster Orangensaft
  • Lichtkost: vegetarische Ernährungsweise (mit Gemüse, Sprossen, Getreide und Nüssen)
  • Sonnenkost: früchtebetonte Rohkosternährung

Vor- und Nachteile von Rohkost-Diäten

Wie viele strenge Ernährungsformen hat auch Rohkost-Ernährung bereits eine Reihe von Evangelisten, die auf die gesundheitsfördernde Wirkung schwören und Kritiker, denen der wissenschaftlich-nachvollziehbare Beweis fehlt. Innerhalb der Rohkost-Bewegung hat sich die Meinung etabliert, rohe Kost sei evolutionär bedingt die einzig gesunde Ernährungsweise. Dabei wird leider nicht erwähnt, dass sich vor tausenden von Jahren die Frage roh- oder ungekocht wohl nicht immer gestellt hat. Gegessen wurden angesichts von chronischem Nahrungsmangel (man denke nur an hart gefrorene Böden im Winter) wohl, was auf den Tisch bzw. den Höhlenboden kam.

Argumente pro Rohkost-Ernährung

  1. Gesundheit: Nahrungsmittel enthalten im ungegarten „Urzustand“ einen erwiesenermaßen höheren Anteil an Vitaminen und anderen wichtigen Inhaltsstoffen, die förderlich für die Gesundheit sind.
  2. Verzicht: Halbfertiges oder fertiges Convenience Food steht kaum am Speiseplan. Dieser Verzicht auf Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel ist definitiv ein Argument pro Rohkost.
  3. Krankheitsprävention: Auch wenn die wissenschaftlichen Beweise noch Zweifel übrig lassen – Anhänger der Rohkost berichten von positiven Auswirkungen auf Hautkrankheiten, Rheuma, Diabetes und Krebs. Fakt ist – das Thema Übergewicht stellt bei Rohköstlern selten ein Problem dar.
  4. Einfachheit: Die Zubereitung von Rohkost-Gerichten ist zeiteffizient und einfach. Der Betrieb von Ofen, Mikrowelle & Co. entfällt.
  5. Verdauung: Der Organismus wird durch Rohkost weniger belastet. Giftstoffe werden eher ausgeschieden und es kommt seltener zu Verstopfung.

Argumente contra Rohkost-Ernährung

  1. Radikalität: Es ist unbestritten, dass ein gewisser Rohkost-Anteil in der Ernährung gesundheitsfördernd wirkt. Allerdings warnen Ernährungsexperten vor Mangelerscheinungen bei zu einseitigen Rohkost-Diäten.
  2. Genießbarkeit: Es gibt Lebensmittel, die durch Erhitzen überhaupt erst genießbar werden. Dazu zählen etwa Kartoffeln oder Reis, die dadurch nicht am Speiseplan von Rohköstlern stehen.
  3. Saisonalität: Gerade bei Obst und Gemüse versuchen gesundheitsbewusste Menschen auf die Herkunft zu achten. Nährstoffreiche Wildkräuter und andere grüne Lebensmittel sind aber nicht ganzjährig verfügbar.
  4. Krankheitserreger: Durch Kochen und Erhitzen werden Bakterien und andere Krankheitserreger vielfach abgetötet. Das entfällt bei der Rohkost-Ernährung.
  5. Kosten: Geld hat vordergründig natürlich nichts mit gesundheitsfördernden oder -schädlichen Effekten von Rohkost-Ernährung zu tun. Allerdings können Rohkost-Lebensmittel – speziell in der kälteren Jahreszeit – ordentlich ins Geld gehen.

Folgendes Video zeigt weitere Fakten auf:

10 Tipps zum Start einer Rohkost-Ernährung

Wer den Rohkost-Anteil seiner Ernährung erhöhen oder völlig umstellen möchte, sollte sich im Vorfeld umfassend informieren. Im folgenden Video gibt es 10 Tipps zum Start einer Rohkost-Ernährung – die Tipps basieren auf einem „low fat raw vegan Lifestyle“ mit sehr hohem Anteil an Obst und grünem Gemüse.

Wir haben die Tipps im Video auf Deutsch übersetzt:

  1. Stocke deinen Vorrat an Obst und Gemüse auf und iss so viel davon, dass du satt bist. Setz dir kein Limit – je mehr davon zuhause ist, desto besser gelingt die Umstellung.
  2. Wenn du wach wirst, trink zuerst ein großes Glas Wasser. Danach gönne dir als erste Mahlzeit einen großen Becher frisch zubereiteten Saft oder Smoothie. So verschwindet der Hunger am Morgen.
  3. Die zweite Mahlzeit des Tages sollte ein riesen Teller Obst sein. Jede Obstsorte ist dabei erlaubt.
  4. Teile dein Abendessen auf zwei Teile auf. Beginne mit einem kleinen Teller Obst und iss dann eine große Schüssel Salat mit Zutaten in Regenbogenfarben.
  5. Stelle sicher, dass du jeden Tag genug Sport treibst, um hungrig zu sein. Wenn möglich, mach zumindest 20 Minuten Sport pro Tag.
  6. Informiere dich so intensiv wie möglich über Rohkost-Ernährung. So kann Mangelerscheinungen oder zu einseitiger Ernährung vorgebeugt werden.
  7. Suche dir andere Menschen, die die Leidenschaft mit dir teilen. Gerade zu Beginn hältst du so leichter durch.
  8. Gönn‘ dir genug Schlaf. Wenn du mit Rohkost-Ernährung beginnst, wird dein Körper mit der Entgiftung beginnen und Symptome wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit können auftreten.
  9. Nimm genug Kalorien zu dir. Der häufigste Grund, warum Menschen die Rohkost-Ernährung nicht durchhalten ist, dass sie zu wenig essen.
  10. Sei sanft zu dir. Diese Ernährungumstellung ist eine Reise, aber noch nicht das Ziel. Sie ist eine Gelegenheit, etwas über den eigenen Körper zu lernen und daran zu wachsen.

Linktipps zu Rohkost-Ernährung

Bildnachweis: Egahen / sxc.hu

2 Kommentare

Antworten
  1. Mir persönlich ist gesunde Ernährung schon wichtig, aber ich finde dieses Konzept ist sehr radikal und einschränkend. Wie schon im Artikel beschrieben, fallen viele Gerichte weg, da die Lebensmittel im rohen Zustand ungenießbar sind. Eine möglichst naturbelassene Ernährung ist in meinen Augen ein wichtiger Faktor für einen gesunden Lebensstil, jedoch ist es auch wichtig die gesellschaftlichen und sozialen Faktoren zu beachten. Es ist sicher nicht einfach eine solche Ernährungsweise in das eigene Leben zu integrieren, vor allem bei Essenseinladungen und im Familienalltag stelle ich mir das schwierig vor.

  2. Doch die Rohkost-Ernährung macht so leicht und vital, dass die gesellschaftlichen Faktoren nicht ins Gewicht fallen sollten. Man kann bei Einladungen ja ruhig mal eine Ausnahme machen, aber die tägliche Routine ist mit der Rohkost einfach durchzuführen. Der gesundheitliche Nutzen ist so immens, dass man gerne auf die Degenerationskost aus dem Kochtopf verzichtet. Der Garten der Natur ist so übervoll mit wunderbaren Geschenken, dass es doch vermessen erscheinen MUSS, diese zu erhitzen oder durch das Töten unserer Mitgeschöpfe zu „ergänzen“. Die Leichtigkeit, die dem Körper durch natürliche Nahrung geschenkt wird, ist durch nichts zu ersetzen. Und die Energie, die der Körper mit der Verdauung unnatürlicher Lebensmittel aufbringen muss, kann zu anderen Zwecken benutzt werden, z.B. zum Heilen bei Krankheiten. Warum wohl hat man so wenig Appetit, wenn man krank ist?

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